Evangelische Kirchengemeinde Rönsahl

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Renovierung 2004

Die folgenden Berichte wurde uns von der Meinerzhagener Zeitung zur Verfügung gestellt. Herr Crummenerl  verfasste über den gesamten  Zeitraum der Renovierung neun Berichte über den jeweiligen Stand der Arbeiten. Diese sind nun hier, in etwas gekürzter Form, zusammengefasst.


5.6.2004

Eine grundlegende Renovierung "vom Scheitel bis zur Sohle" wird in diesem Sommer die Servatiuskirche
in Rönsahl erfahren. Das haben entsprechende Beratungen und Gespräche in den Gremien der evangelischen Kirchengemeinde sowie natürlich beim Denkmal- und Kreiskirchenamt ergeben. Pfarrer Martin Ahlhaus informiert darüber im jüngsten Rundbrief der Gemeinde. "Zwar kippt der Servatiusturm noch nicht aus den Fundamenten, doch eine Renovierung unserer Kirche tut Not. Allzu sichtbar hat der Zahn der Zeit an dem Gemäuer genagt. Nach langen Beratungen in Gemeinde und Kirchenkreis ist es in diesem Sommer so weit: Rund fünfzig Jahre nach der letzten Kirchenrenovierung bekommt das Kircheninnere einen frischen Anstrich. Dabei müssen die alten Farbschichten erst einmal vollständig entfernt werden, bevor eine neue luftdurchlässige Kalklasur in mehreren Lagen aufgetragen werden kann", so die Mitteilung des Pfarrers. Ältere Rönsahler erinnern sich vielleicht noch daran, als die Kirche in den Jahren 1948 bis 1950 ihr heutiges "Outfit", insbesondere die Ausmalung und Gestaltung des Innenraumes erfuhr. Damals standen die Arbeiten weitgehend unter der fachlichen Regie des Kirchenmalers Professor Thol. Aber auch heimische Handwerker waren, wo immer möglich, daran beteiligt.
Vorgesehen ist jetzt, dass das Holzwerk am sehenswerten Orgel-Kanzel-Altar und dem Emporen-Aufbau mit seinen reichen Spielarten des Barock und des Rokoko überprüft und gegebenenfalls ausgebessert wird. Gerade dieser Teil der Kirche ist neben etlichen anderen Interieurs - das gesamte Gebäude steht bekanntlich unter Denkmalschutz und erfordert eine sehr sensible Behandlung - besonders sehenswert. Zur besseren Ausleuchtung des Kirchenschiffs sollen zudem die Kronleuchter und Wandlampen ergänzt werden. "Stil und Atmosphäre unseres Gotteshauses sollen erhalten werden, und auch die erst vor 50 Jahren vorgenommene Farbgebung und Ausmalung des früher weißen Kirchenraumes", berichtet Ahlhaus weiter. Ein großer Komplex der jetzt vorgesehenen Renovierungsarbeiten betrifft das Kirchenäußere. Auch hier sind Erhaltungs- und Pflegemaßnahmen unerlässlich geworden. Die in den Wintern durch Regen und Frost verursachten Schäden am Turm sollen dabei ebenfalls behoben werden - bekanntlich war ja vor einigen Monaten bereits ein Teil des losen Putzwerkes am Kirchturm provisorisch entfernt worden, weil Teile des Putzes herunter zu fallen drohten.Ganz besonders gespannt aber ist man in der Gemeinde allerdings auf den Effekt, der von der geplanten Wiederöffnung der in den 50er Jahren auf Beschluss des damaligen Presbyteriums verkleideten Altarfenster in der Ostwand (also zur Kirchstraße hin) ausgehen wird. Damals war diese Maßnahme beschlossen worden, weil der vermeintlich starke Lichteinfall in den Morgenstunden teilweise als störend während des Gottesdienstes betrachtet wurde. Durch diese Verkleidung wurden die an sich sehr schönen und mit Ornamentglas bestückten bunten Fenster ihrer Funktion beraubt und waren von innen her daher nicht mehr wahrnehmbar. Die Glasbilder zeigen, kunstvoll in Bleiverglasung gefasst, die Porträts der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon und sind mit einer Schutzverglasung vor Verwitterung und Beschädigung geschützt.
Alles in allem steht also eine zeitlich und vor allen Dingen finanziell aufwändige Maßnahme an, die nach der an diesem Sonntag bevorstehenden Gold- beziehungsweise Diamantkonfirmation beginnen wird und spätestens Anfang Oktober zum traditionell groß gefeierten Erntedankfest abgeschlossen sein soll. Gottesdienste und Konzerte werden in dieser Zeit dann im Gemeindehaus stattfinden."Unser Ziel ist es, die Servatiuskirche als Haus Gottes, Ort der Gemeinde und Wahrzeichen des Dorfes, für viele Jahre und Jahrzehnte frisch zu machen und zu erhalten. Wann genau die Renovierung beginnen wird, richtet sich nach den Vorbereitungen durch Denkmals- und Kreiskirchenamt und wird auch in der MZ mitgeteilt", so Ahlhaus.

3.7.2004

Mitte dieser Woche wurde mit der Renovierung der Servatiuskirche begonnen. Dazu war der Aufbau eines großflächigen Gerüstes im Kircheninneren ebenso erforderlich wie das Abdecken der sensiblen Bereiche, insbesondere des Kanzelaltars und des Orgeltraktes, um diese vor dem anfallenden Staub zu schützen. Es wird damit gerechnet, dass die gesamte Maßnahme etwa einen Zeitraum von drei Monaten in Anspruch nehmen wird. Während dieser Zeit finden die Gottesdienste und kirchlichen Veranstaltungen im Gemeindehaus nebenan statt. Schon jetzt harrt die Gemeinde in freudiger Erwartung des Tages, an dem die Handwerker ihre Arbeiten abgeschlossen haben werden und das alte Gotteshaus wieder seinen Zweck erfüllen kann. Als Termin dafür wird der Erntedanktag im Oktober genannt. Dann nämlich feiert die Gemeinde ein großes Fest im Gedenken an die Einführung der Reformation in Rönsahl vor genau 444 Jahren - das wäre der passende Anlass für den ersten Gottesdienst im renovierten Kirchengebäude.
Zunächst ist das Innere des alten Gotteshauses an der Reihe. Letztmals vor rund fünfzig Jahren waren die Maler dort tätig und hatten den ehedem ganz in weiß gehaltenen Kirchenwänden ein in wärmeren Pastelltönen gehaltenes Farbkleid gegeben. Zudem waren die Holzvertäfelungen um die Empore sowie im Bereich des Kanzelaltars mit Schriftband beziehungsweise Bibelsprüchen durch das Auftragen von Blattgold und freundlich wirkender Farbgebung verschönert worden. Diese Arbeiten standen damals unter der Regie des Kirchenmalers Professor Thol. An diesem der Gemeinde lieb gewordenen Outfit soll nichts Grund-sätzliches verändert werden, allerdings sind Teile der Farben inzwischen verblasst und bedürfen einer Auffrischung, ebenso sollen der Zustand der Holzteile untersucht und eventuelle Schäden beseitigt werden. Ferner ist ein Neuanstrich der Wände und des Deckengewölbes vorgesehen. Dazu muss zunächst die alte Binderfarbe abgetragen und durch einen neuen atmungsaktiven Kalkanstrich ersetzt werden. Mit diesen Arbeiten wurde ein Fachbetrieb beauftragt, der sich auf denkmalgeschützte sakrale Gebäude spezialisiert hat.
Danach sind die Außenarbeiten an der Reihe. Auch hier müssen, vornehmlich im Bereich des Kirchturmes, zunächst große Teile des Außenputzes entfernt, erneuert und mit einem neuen Anstrich versehen werden. Parallel dazu erfolgt die Wiederöffnung der beiden Fenster in der Ostwand des Kirchenschiffes, die vor rund fünfzig Jahren auf Beschluss des Presbyteriums von innen verkleidet worden waren. Die beiden von der Kirchstraße aus zu sehenden Fenster tragen die in Ornamentglas gefassten Konterfeis der Reformatoren Martin Luthers sowie Philipp Melanchthons. Damals wurde der starke Lichteinfall in den Morgenstunden und während des Gottesdienstes als störend empfunden worden. Heute gibt es jedoch die Möglichkeit, eben diesen Effekt durch entsprechende Verglasung zu mildern beziehungsweise ganz auszuschließen. Die Gemeinde in Rönsahl freut sich auf die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes und auch darauf, dass dann "vom Aufgang der Sonne her" wieder mehr Licht ins Gotteshaus fallen wird.

17.7.2004

Wenn "Blinde" wieder sehend werden, dann ist das ein Anlass zur Freude: "Blind" waren seit Jahr-
zehnten die beiden Altarfenster in der Ostwand der Servatiuskirche. Da es um 1950 noch keine adäquaten Mittel gab, um den Lichteinfall zu dämpfen, hatte man sich entschlossen, diese Fenster zu verkleiden.
In den letzten Jahren erinnerte man sich in den Leitungsgremien der Kirchengemeinde der aus buntem Ornamentglas bestehenden "unsichtbaren" Kirchenfenster und es wuchs die Überzeugung, dass es im Grunde schade sei, sie ihrer eigentlichen Funktion vorzuenthalten.
Mit Interesse verfolgen die Rönsahler die Arbeiten. So kam in dieser Woche große Freude auf, als Handwerker die Verkleidung der beiden Kirchenfenster entfernten und die in buntem Ornamentglas gehaltenen Lichtquellen zum Vorschein kamen. Dabei wurde deutlich, dass gerade diese Kirchenfenster, sie zeigen in der Mitte die Köpfe der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon, zweifellos zu den besonderen Kleinodien des ohnehin an sakralem Schmuck reichen Gotteshauses zählen, zumal das bunte Ornamentglas in der ursprünglichen Farbgebung und Form erhalten ist.
Im Zuge dieser Arbeiten, die mit den Notwendigkeiten des Denkmalschutzes vertraute Fachbetriebe durchführen, bekommt das Kircheninnere einen frischen Anstrich. Als notwendige Vorarbeiten wurden in den vergangenen Wochen die alten Farbschichten bis auf den Putz entfernt. Nun kann eine neue luftdurchlässige Kalklasur aufgetragen werden.
Auch das Holzwerk im Bereich von Kanzel, Altar und Emporen und dessen Bemalung wird überprüft und ausgebessert. Schließlich wurde die Kirche teilweise außen eingerüstet, damit durch Witterungseinflüsse entstandene Schäden vornehmlich im Turmbereich beseitigt werden können. Die aufwändige und kostenintensive Maßnahme soll rechtzeitig zum Reformationsfest am 31. Oktober abgeschlossen sein und dann die Kirche wieder für Gottesdienste zur Verfügung stehen.

12.10.2004
Die evangelische Kirchengemeinde freut sich sehr über das Gelingen und großartige Ergebnis aller Arbeiten zur grundlegenden Renovierung der Servatiuskirche, die von Juli bis Oktober 2004 dauerte. Die Wiedereröffnung des Gotteshauses soll deshalb am 30. Oktober mit einer Orgelvesper festlich begangen werden.
In ihrer Einladung geht die Kirchenleitung kurz auf die Historie des alten Rönsahler Gotteshauses ein: Das 1399 erstmals urkundlich erwähnte Kirchspiel Rönsahl tritt im Jahre 1560 der lutherischen Reformation bei und feiert als evangelische Gemeinde am Reformationstag, 31. Oktober, den 444. Geburtstag. Gleichzeitig wird mit diesem Jubiläum die Servatiuskirche nach Abschluss umfangreicher Renovierungsarbeiten wieder eröffnet und als Haus Gottes und Ort der Gemeinde in Dienst genommen.
Die große Renovierung umfasste nicht nur den Neuanstrich von Decken und Wänden sowie die Auffrischung der farbigen Ausgestaltung, sondern legte auch zwei wunderschöne, bislang verborgene Schätze offen: Zum einen sind die um 1950 von innen verkleideten Ornamentfenster in der Ostwand nun wieder geöffnet und geben den Blick frei auf die Portraits der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon. Zum anderen wurde an der Westwand des Kirchenschiffes eine aus der Erbauungszeit um 1768 stammende Wandmalerei frei gelegt, es ist ein Schriftbild mit dem Reformationslied "Ein feste Burg ist unser Gott".

16.10.2004

Im Zuge der Renovierungsarbeiten war das Zifferblatt der Turmuhr abmontiert worden. Der Zahn der Zeit hatte seine Spuren hinterlassen, Wind und Wetter hatten den goldenen Zahlen, Zeigern und der Farbe des Zifferblattes zugesetzt, so dass die Gelegenheit zur Generalüberholung genutzt wurde. Zuletzt waren Ziffern und Zeiger der Uhr im Jahre 1972 vergoldet worden, damals wie heute in liebevoller Kleinarbeit. Das Auftragen des Blattgoldes wurde seinerzeit von Malermeister Karl-Otto Vormann durchgeführt. Das "gute Stück", so eine kleine Geschichte am Rande, war dem Meister so wichtig, dass die Arbeiten nicht wie üblich, in der Werkstatt, sondern im Wohnzimmer der Familie vonstatten gingen, damit Vormann stets ein Auge auf den Trockenprozess der Farben werfen konnte.
Da Zifferblatt und Zeiger inzwischen in ihrer gesamten Konsistenz gelitten hatten, entschloss man sich zu einer grundlegenden Erneuerung. Mit der Anfertigung der viereckigen Kupferplatte, dem eigentlichen Zifferblatt, und den Zeigern wurde die Kunstschlosserwerkstatt König in Lüdenscheid, die sich auf Restaurierung alter Turmuhren spezialisiert hat, betraut. Originalgetreu nachgebaut, wurden Zifferblatt und Uhrzeiger in der Malerwerkstatt von Axel Schuster in Rönsahl lackiert und vergoldet und wieder an alter Stelle am Kirchturm montiert. Dabei half Rainer Themel mit einem Steiger. Beide Firmen arbeiteten übrigens kostenlos, dafür bedankte sich die evangelische Kirchengemeinde.
Allerdings hat sich etwas an der Kirchturmuhr geändert: Anstelle der arabischer Ziffern wählte man nun römische Zahlen, die nach Ansicht von Fachleuten optisch besser zum alten Kirchturm passen.
Wie Pfarrer Martin Ahlhaus am Rande der Aktion anklingen ließ, soll natürlich auch das alte Zifferblatt, das jetzt nicht mehr benötigt wird, als "Erinnerungsposten" aufbewahrt werden und später in der Erinnerungsecke im Kirchturm Platz finden.

20.10.2004

Mit großem Interesse haben viele Gemeindeglieder den Fortgang der Arbeiten verfolgt und sich dabei auch über die Wiederentdeckung alter und teils unbekannter "Schätze" gefreut. Besonders gespannt war man auf die Wiederöffnung der in buntem Ornamentglas gehaltenen beiden Fenster an der Ostseite des Kirchenschiffes. Sie waren vor mehr als 50 Jahren auf Beschluss des damaligen Presbyteriums verkleidet und von innen unsichtbar gemacht worden, weil damals die Ansicht vertreten wurde, dass der Lichteinfall an sonnigen Tagen zu stark sei.
Bei der Generalüberholung des Innenanstrichs bot sich dann die Gelegenheit, die damalige Entscheidung rückgängig zu machen. Und die wiederentdeckten Fenster verblüfften durch ihre farbliche Schönheit und stellten sich als ein besonderes Kleinod in der Servatiuskirche dar.
Allerdings hatten sowohl die eisernen Rahmen, mit deren Hilfe die Scheiben ins dicke Mauerwerk eingelassen waren, als auch einzelne Ornamentglasscheiben wie die umgebenden Bleieinfassungen im Laufe langer Jahre gelitten und mussten teilweise erneuert werden. Dazu bediente man sich einer Fachwerkstatt. Die Glaswerkstätte Hartmut Baetzel aus Unna übernahm die Restaurierungsarbeiten und sorgte dafür, dass alles wieder originalgetreu instand gesetzt wurde.
Eine gründliche Reinigung der aus so genanntem Tischkathedralglas bestehenden Fenster, das eine zeigt das Konterfei des Reformtors Martin Luther, das andere das von Philipp Melanchthon, machte deutlich, dass etliche Fragmente nachgearbeitet oder ganz ersetzt werden mussten. Was zu ergänzen war, wurde nach Schablonen neu zugeschnitten, das Glas mit Schwarzlot kontrastiert und mit Silbergelb hinterlegt. "Danach", so erläuterte Meister Baetzel, "wurden die neu aufgetragenen Farben im sogenannten Muffelofen bei einer Temperatur von 500 Grad eingebrannt. Brüche an Scheiben, die noch verwendet werden konnten, ließen sich mit Epoxydharz kleben, und auch die Neuverbleiung war kein größeres Problem".
Ganz besonders freute sich der Fachmann darüber, dass es gelungen ist, die so genannten weißen Schlackenornamentgläser im Mittelteil der Fenster noch originalgetreu zu bekommen, so dass auch in diesem Punkt im Einklang mit den Vorgaben des Denkmalschutzes gearbeitet und alte Substanz erhalten werden konnte. Bevor die historischen Ornamentglasfenster jedoch wieder "in Dienst" gestellt werden konnten, wurden zum Schutz der künstlerisch wertvollen Originale von außen spezielle Isolierglasfenster installiert, bestückt mit "Goetheglas", das übermäßige Reflektion des Lichtes beim Einfall in die Kirche filtert, was den angenehmen Effekt, der von Ornamentglas ausgeht, zusätzlich verstärkt.
Als zusätzliches Schmankerl kommt hinzu, dass bei den Innenarbeiten auch die im Original erhaltenen bunten Ornamentglasscheiben, die links und rechts von Kanzelaltar und Orgel früher als sogenannte "Okuli" (Augen) im oberen Bereich des Mauerwerks für zusätzlichen Lichteinfall sorgten, wieder aufgefunden, ebenfalls restauriert wurden und nun das bisherige Glas in den kleinen Fenstern ersetzen.

28.10.2004

Die Freude stand Pfarrer Martin Ahlhaus und Kirchmeisterin Rita Kattwinkel als Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde Rönsahl ins Gesicht geschrieben, als in dieser Woche Bankdirektor Wolfgang Opitz von der Sparkasse Kierspe- Meinerzhagen in der Servatiuskirche vorbeischaute.
Denn das hatte einen besonderen Grund: Einmal mehr hatte sich die Sparkassenstiftung für einen besonders löblichen Zweck engagiert. Diesmal kam die evangelische Kirchengemeinde in Rönsahl in den Genuss einer Zuwendung - dies im Zusammenhang mit den durchgeführten Renovierungsarbeiten in und an der Servatiuskirche
Im Rahmen dieser Arbeiten war völlig überraschend eine uralte Wandmalerei in Gestalt des Luther-Liedes " Ein feste Burg ist unser Gott" zu Tage getreten. Beim Abtragen der alten Farbschichten auf den Wänden war der Restaurator auf den "Schatz" gestoßen und natürlich war die Freude über die Entdeckung des Kleinods, das seit etlichen Jahrzehnten unter einer Farbschicht verborgen war, groß. Schnell war klar, dass die Wandmalerei, in altertümlicher Schreibweise gehalten, aus der Zeit stammen muss, als das Kirchenschiff 1768 nach dem großen Dorfbrand wieder aufgebaut wurde.
In akribischer Kleinarbeit (MZ berichtete) machte sich Restaurator Martin Schmidt an die Arbeit, um nach und nach die noch vorhandenen Fragmente des alten Schriftbildes freizulegen und so zu behandeln, dass dessen Fortbestand gesichert werden konnte. Als besonders beachtenswert stellte sich heraus, dass unter der alten Schrift, die teilweise von den in späteren Jahren errichteten Emporen verdeckt wird, eine Markierung in Form eines Kreuzeszeichens entdeckt wurde, die nachweislich noch älter sein muss und direkt auf dem Mauerwerk des alten Turmes zu finden ist.
Dieses Kreuzeszeichen am denkmalgeschützten Gotteshaus in Rönsahl wertet das jetzt restaurierte alte Schriftbild noch zusätzlich auf. "Wenn die Sparkassenstiftung in dieser Weise helfen kann, altes Kulturgut zu sichern und zu erhalten, dann ist ihr Zweck ein weiteres Mal mehr als erfüllt", freute sich Sparkassendirektor Opitz über den schönen Mosaikstein im insgesamt sehr gelungenen Werk der Kirchenrestaurierung.

2.11.2004

Nach etwa viermonatiger Dauer konnten die umfangreichen Renovierungsarbeiten gerade rechtzeitig zur Feier des 444-jährigen Reformationsjubiläums in Rönsahl abgeschlossen werden. "Dies ist ein Tag, der uns alle mit großer Dankbarkeit und tiefer Freude im Herzen erfüllt." Mit diesen Worten brachte Pfarrer Martin Ahlhaus das Empfinden der zahlreichen Gäste, die am Samstagabend zu der Feierstunde mit einer Orgelvesper in die Servatiuskirche gekommen waren, auf den Punkt. Besonders begrüßte er eine Abordnung aus der Partnergemeinde Fahrland.
Kirchmeisterin Rita Kattwinkel dankte im Namen der Kirchengemeinde dafür, dass "viele Köpfe, Hände und Herzen" dazu beitrugen, das große Werk der Renovierung des denkmalgeschützten Gotteshauses in so überzeugender und formvollendeter Weise durchzuführen. "Es ist unser Anliegen, dass sich Menschen einladen lassen und sich in der Gemeinschaft von Christen im alten Gotteshaus wohlfühlen", unterstrich die Kirchmeisterin.
Im Mittelpunkt des Abends stand neben erbaulicher Orgelmusik, die Organist Holger Scheel mit Werken von Johann Pachelbels und Johann Sebastian Bach zu Gehör brachte, sowie gemeinsam gesungenen Liedern eine Betrachtung von Synodalarchivpfleger Hartmut Waldminghaus unter dem Titel "Die Reformation in Dorf und Land". Waldminghaus ging in einem geschichtlichen Abriss auf den Thesenanschlag Martin Luthers am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg ein, der die Welt und die Kirche nachhaltig verändern sollte. "Die Hammerschläge aus Wittenberg wurden auch auf den Höhen des Sauerlandes gehört, wenn auch etliche Zeit später", konstatierte der Redner. So ist überliefert, dass die Gemeinde 1560 geschlossen zum evangelischen Bekenntnis fand, nachdem der letzte katholische Messpriester verstorben war. Mit Hermann Severtz begann die Auslegung des Wortes nach dem Bibel- und Glaubensverständnis Martin Luthers. Dies alles geschah "ohne alle pertubatio", ohne jegliche Unruhen. Dass bis zur Einführung der Reformation in Rönsahl noch etliche Jahre vergingen, lag an der politischen "Großwetterlage". Es gilt als sicher, dass der Herzog von Kleve, zu dessen Einflussbereich das Märkische Sauerland gehörte, die Verbindung von "Kerke und Staat" lange Zeit unverbrüchlich vorgab. Erst nach und nach setzte sich "Volkes Wille" durch. Im Zeitraffer streifte Hartmut Waldminghaus eine "gesegnete Kirchengeschichte" , so wie sie in 444 Jahren das Leben in Dorf und Gemeinde in Rönsahl begleitet habe und verband damit den Wunsch und die Hoffnung auf eine gute Zukunft der Kirche "vor Ort und im Land.





 
 
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